wolkenschaum

Gedichte für Kinder

„was war bevor ich war?“ – das ist eine Frage, die Menschen schon in ihrer Kindheit und später immer wieder intensiv beschäftigt, und für die es keine Antwort gibt. Vielmehr führt sie zu weiteren Fragen. Das zeigt der in Wien lebende Autor Michael Hammerschmid, der dieses Jahr für seinen Lyrikband „was keiner kapiert“ (für Leser:innen ab 13 Jahren) mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet wird, gleich im ersten Gedicht seines neuesten Bilderbuchs. In den 12 Gedichten, die auf je einer Doppelseite zusammen mit den ausdrucksstarken, dynamischen und leuchtenden Bildern von María José de Tellerría präsentiert werden, geht es um den Alltag und die Weltwahrnehmung von Kindern, um das leichte Spiel genauso wie um große Fragen. Der Autor verzichtet in seinem Schreiben auf Groß- und Kleinschreibung, geht auch mit der Interpunktion sehr sparsam um, womit er Lesende zum Innehalten bringt. Dadurch entwickelt jedes Gedicht seine eigene Geschwindigkeit, einen eigenen Rhythmus. In „fahrradfahren“ etwa steigert sich das Tempo von Zeile zu Zeile, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, selbst einen Berg hinunter zu sausen und die Geschwindigkeit am ganzen Körper zu spüren. Mal schneller, mal langsamer, mal stockender mal geschmeidiger lesen sich die sprachspielerischen Texte und immer ist zu spüren, wie nahe der Autor an den Kindern dran ist. Wenn es etwa im Gedicht „nur noch“ heißt: „einmal bitte / noch mal spaß / nur noch / zweimal / nur noch / einmal / …“ spielen sich vor dem inneren Auge der Vorlesenden und Kinder vermutlich viele ganz verschiedene Szenen ab. Michael Hammerschmid zeigt auch, dass Kinder im Verhandeln schon von klein auf groß sind. Und: Im Gegensatz zu ihren Diskussionspartner*innen ermüden sie die ewig gleichen Diskussionen nicht, im Gegenteil für „noch mal spaß“ ist es das allemal wert. In anderen Gedichten wie „in der früh“, „zwischen den tropfen“ oder „ich spüre den boden“ vermittelt der Lyriker einfühlsam, wie intuitiv Kinder handeln können, wie wach und intensiv sie vieles wahrnehmen, wie sehr sie im Moment leben und danach handeln wie sie sich fühlen: „hier geh ich / nicht weiter / hier bleibe ich / stehen / hier ist es schön / hier hören die füße auf /…“, heißt es in „hier bleibe ich stehen“. Dazu stellt die Illustratorin in leuchtenden warmen Farben Kinderfiguren auf`s Blatt, die entspannt und gut gelaunt durch ihre Welt gehen und rollern. Da gesellt man sich gerne dazu.

Juliane Zach

Michael Hammerschmid & María José de Tellería: wolkenschaum

Michael Hammerschmid & María José de Tellería: wolkenschaum

Wien: Jungbrunnen 2025, 32 S., € 18,00, ab 3 Jahren

Dieser Buchtipp erschien zuerst in der österreichischen Wochenzeitung Die Furche