Urwaldtrip

»Du gehörst in den Urwald«, soll ihm ein Affe zugeflüstert haben. Jedenfalls war es schon immer sein größter Traum, Affenforscher zu werden. So erzählt es die erwachsene Icherzählerin im einfachen, knapp gehaltenen Text über ihren Freund Murt, während man auf einer der ersten Doppelseiten – als Erinnerung an Kindertage – sieht, wie die beiden gemeinsam im fantastischen Spiel durch den eigenen Urwald klettern und brüllen. Sie als Raubkatze, er als Affe. Katja Spitzer nimmt uns in ihrem autobiographisch inspirierten »Urwaldtrip« mit nach Bolivien und in eine Affenforschungsstation, wo Murt als Erwachsener für ein halbes Jahr die Schönheit des Regenwalds genießt, aber auch Momente der Einsamkeit und Gefahr durchlebt. Spitzers mit Buntstiften gemalte Illustrationen halten dabei in leuchtend satten Farben reisetagebuchartig besondere Momente und Begegnungen fest: blaue Morphofalter, seltene Orchideen, den südlichen Sternenhimmel und natürlich Affen, deren lustige Gesichter Murt immer wieder zum Lachen bringen. So ist »Urwaldtrip« eine Mischung aus Forschungs- und Reisebericht, Naturstudie, Geschichte einer langen Freundschaft und – thematisch verwandt aber doch ganz anders in Erzählform und Gestaltung als die beliebte Reihe »Little People, Big Dreams« – biografische Skizze, die Kindern nicht zuletzt die große Frage stellt: Was könnte dein großer Lebenstraum sein? Dementsprechend sieht man am Ende auch die Icherzählerin mit großem vollgepacktem Rucksack zu ihrem eigenen Abenteuer aufbrechen, ganz Woanders hin. »Ich kann es kaum erwarten, meinem Freund davon zu erzählen.«

Klaus Nowak

Katja Spitzer: Urwaldtrip

Katja Spitzer: Urwaldtrip

Mannheim: Kunstanstifter 2025, 60 S., € 24,70, ab 8 Jahren
Dieser Buchtipp erschien zuerst in "1001 Buch"