
Mopsfisch
»Mopsfisch lila. / Mopsfisch rot. Mopsfisch Luftballonpilot!« In seinem ersten Bilderbuch lässt der österreichische Autor und Sprachkünstler Clemens J. Setz eine ziemlich extravagante Hybridfigur aus Hund und Fisch rasante Alltagsabenteuer erleben. Schon allein durch die Namensgebung der Titelfigur ist die Nähe zu Ernst Jandl nicht von der Hand zu weisen. In kurzen dreizeiligen Versen mit simplem Reimschema (abb) wird jede Zeile mit »Mopsfisch« eingeleitet und mit einzelnen Verben, Adjektiven, teils getrennten Wörtern, lautmalerischen Ausdrücken oder Wendungen kombiniert. »Mopsfisch zappel. / Mopsfisch fall. / Mopsfisch triff Gymnastikball!« Mit Unbekümmertheit und ungestümer Freude ähnlich der eines Kleinkinds, das beim Anblick eines Luftballons größte Begeisterung versprühen kann, erlebt der Mopsfisch Höhen und Tiefen. Er fliegt davon, stürzt ab in den Efeu, springt Trampolin, spielt in einem fremden Garten Fußball und tut sich weh: »Mopsfisch aua. / Mopsfisch au. / Mopsfisch lila, rot – und blau!«. Er legt sich beim Schwimmen im Gartenteich mit den Fischen an, muss dort sogar vor Gericht, flieht in den dunklen Wald, knallt vor Angst gegen einen Baum, klettert danach den Stamm hinauf, entdeckt auf einer Lichtung ein Karussell, fährt damit im Kreis bis zum Morgengrauen und entdeckt schlussendlich seinen Doppelgänger. Stefanie Jeschke hat den Sprachwitz und die assoziativen Szenen in ihren Illustrationen passend eingefangen. Den »Mopsfisch«hat sie aus dem Oberkörper eines Mopses und der Schwanzflosse eines Fisches kreiert. Teils ungeschickt und unkoordiniert, aber stets euphorisch und experimentierfreudig stolpert die drollige Figur von Seite zu Seite. Der türkis-grüne Ton der Schwanzflosse wird auch in der Hintergrundgestaltung immer wieder aufgenommen – und wirkt als beruhigender Kontrapunkt zum hyperaktiven Protagonisten. Die skurrile Geschichte macht jedenfalls Lust auf das Weiterfabulieren – denn womöglich lassen sich mit zwei Mopsfischen am neuen Morgen in einer Fortsetzung ganz neue Fantasiewelten erkunden.
Verena Weigl

Clemens J. Setz: Mopsfisch
Dieser Buchtipp erschien zuerst in "1001 Buch"

