
Farbe, Eule, Stift und Katze
Freude und Frust beim künstlerischen Tun
Autorin Claudia Gürtler und Illustratorin Renate Habinger erzählen im Bilderbuch »Farbe, Eule, Stift und Katze« von den Höhen und Tiefen des kreativen Schaffens. Im Zentrum steht dabei eine kindliche Künstlerinnen-Seele, die mit der Unzufriedenheit über das eigene Werk kämpft. Als Mina zu Weihnachten ein leeres Buch und dazu Malutensilien geschenkt bekommt, beginnt sie sofort zu zeichnen. Schnell füllen sich die weißen Seiten mit Katzen und Eulen. Manches gelingt ihr sofort, für anderes braucht sie mehrere Versuche, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist. Mina zeichnet für ihre Tierfiguren eine bunte Welt, gibt ihnen Namen und zeichnet sie immer und immer wieder. Nach und nach entwickeln Katze und Eule innerhalb und außerhalb des Zeichenbuchs ein Eigenleben. Doch irgendwann beginnen sie sich zu zanken, treten in Konkurrenz zueinander. Je mürrischer die beiden Fantasiewesen werden, desto unzufriedener wird Mina mit ihren Zeichnungen. Was ihr ein paar Wochen zuvor noch so leicht von der Hand ging, steht beim Zurückblättern plötzlich unter Kritik. »Hatten ihre Katzen zu kurze Schwänze? Und durften Eulen schiefe Schnäbel haben?« Bis dem Mädchen vor lauter Zweifeln an ihren Kunstwerken nur noch der Griff zum schwarzen Stift bleibt und alles von einem schweren Kritzelvorhang verdeckt wird. Doch zum Glück bleiben Mina Katze und Eule als Gefährten erhalten – und sie helfen ihr, ihre Freude am kreativen Tun wieder zu finden.
Der Eifer, die Schaffensfreude, die Frustration, die Wut, das Beruhigen, die Ruhe des Neuanfangs – die Dynamik der Gefühlspalette wird in den Illustrationen transportiert und spürbar. Vor weißem Hintergrund treiben verschiedenste Katzen und Eulen ein farbenfrohes Spiel. Dazwischen tummelt sich immer wieder (teils in Bleistiftstrich) die kleine, emsige Künstlerin. Das Besondere dieses feinfühligen Bilderbuchs liegt darin, dass der Perfektionismus, die Selbstkritik und Unzufriedenheiten der kindlichen Protagonistin ernst genommen werden, ihr der Rahmen geboten wird, es immer wieder neu zu versuchen und so daran zu wachsen.
Verena Weigl


