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Albert Wendt
Henrikes Dachgarten

Das Wunder auf der Krummen Sieben

Ill. von Linda Wolfsgruber

Wien: Jungbrunnen 2018
96 S. | € 14,00 | ab 9

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Buch des Monats Juni 2018

Die Geschichte eines wunderbaren Gartens, eines zauberhaften Mädchens, das zur Besserwisserei neigt, und eines unendlich guten Dachdeckers ohne Furcht vor Märchenhaftem.

Die zwölfjährige Henrike legt zusammen mit Henne, dem Dachdecker mit leichtem Dachschaden, auf dem Dach des Hauses Krumme Gasse 7, genannt die Krumme Sieben, einen blühenden Garten an. Das schnell entstehende Paradiesgärtlein ist einer jener Orte, die zwar mit der Realität verbunden sind – erreichbar über eine Stiege oder den langen Arm eines Baukrans –, aber doch recht eigentlich von utopischer Natur sind. Dort wird ein Leben geführt, das nicht von Stürmen verschont bleibt, doch insgesamt eine abgeschottete Insel darstellt, auf der das bessere Leben möglich ist. Da können auch Leute wie die Hexe Hux, die es in der Krummen 7 wie überall anderswo auch gibt und die keinen Sinn haben für wild wachsende und weitgehend der Kontrolle entzogene Pflanzen und Menschen, nichts dagegen tun. Der Schlachtruf der Hexe – „Schimpf und Schande, Wildnis nagt am Abendlande“ – nützt nichts, ihr Wunsch, alles auf ihr Maß zurechtzustutzen, bleibt unerfüllt.

In Zeiten des Wildwuchses von Dachterassengärten im städtischen Raum und der Sehnsucht nach Gardening, urban oder ländlich, ist dieses Buch geradezu extrem zeitgeistig. Entzieht sich aber jedem Trend allein durch den Erzählstil und Erzählton Albert Wendts: Den Lesenden zugewandt, ein wenig altväterlich anmutend, ein bisschen sprachverrückt und auch sprachverliebt erzählt der Autor diese Geschichte.
Dem Ton des deutschen Autors, dessen Bücher seit Jahren im Wiener Jungbrunnen Verlag publiziert werden, entsprechen die feinen Zeichnungen und Drucke von Linda Wolfsgruber, alle in dunklem Grün ins Buch gebracht, meist als Vignetten, da und dort aber auch ganzseitig verzaubernd. Diese Illustrationen sind ein unmittelbarer Zugang in diesen Garten, der künftig zusammen mit anderen wichtigen verwunschenen literarischen Gärten genannt werden wird.
„Henrikes Dachgarten“ eignet sich auch gut zum lebhaften Vorlesen.

Franz Lettner

 
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