Institut für Jugendliteratur    
       
 
 
Buch des Monats Mai 2015

Das Menschenmädchen Rosa ist das schwarze Schaf oder passenderweise, wie es offenbar im Russischen heißt, die weiße Krähe in der Familie. Hineingeboren in ein Nest aus Raben ist sie die einzige unter den Geschwistern, die nicht fliegen kann. Auch das mit dem Krächzen will nicht so recht klappen. Erst als sie ihre eigenen Fähigkeiten entdeckt und ihre Individualität akzeptiert, kehren Lächeln und Freude in ihr Leben zurück.

Die Geschichte ist in ihren Grundlagen nicht neu, aber immer wieder wert, erzählt zu werden. Diese Variante lebt stark von den Illustrationen, die Helga Bansch sehr abwechslungsreich einsetzt. Es gibt kurze Sequenzen, die comic-artig in Panel-Form angeordnet sind. Sie erzählen – ohne Worte, aber mit viel Witz – beispielsweise davon, wie die kleine Rosa versucht, sich wie ein Rabe zu verhalten, wie sie die Vorteile ihrer Hände entdeckt (Nasenbohren!) oder wie ihr der Frosch Rudi das Schwimmen beibringt (funktioniert viel besser als Fliegen). Variiert wird diese Form mit großen, teils doppelseitigen Bildern, die gekonnt Stimmung und Emotion transportieren – ausgelassenes Herumtoben im Nest, die missbilligenden Blicke der anderen Vögel (und Kühe!) auf den „Alien“ und der wehmütige Abschied, als die Geschwister flügge werden. Helga Bansch zeichnet, collagiert und koloriert, die Bilder wirken harmonisch, die Farben sind es ebenso. Dazwischen leuchtet Rosas knallrote Mütze heraus über ihrem runden Gesicht, dessen Ausdruck sich im Lauf der Geschichte immer wieder verändert: von ahnungslos fröhlich über nachdenklich, missmutig, traurig und wütend bis hin zu entspannt und froh. Und das so am Ende glaubhaft ihre Worte unterstreicht: „Ich bin die Rabenrosa! […] Ich freu mich auf morgen.“

Isabella Stelzhammer

 
    Helga Bansch: Die Rabenrosa